Die Hochschultage 2006 in Bremen begannen für mich schon bevor ich das Gebäude betrat mit einem Dejavu. Der Bereich der Geisteswissenschaften der Universität Bremen sieht nämlich haargenauso aus wie die Uni-Essen, an der ich noch vor 4 Jahren studierte. Auch die Seminarräume erkannte ich wieder. Verblüffend … nur wer hat hier von wem abgekupfert?
Angeblich über 1000 TN verbuchten die Hochschultage 2006, wovon ca. die Hälfte aller TN aus Referenten bestand (so hörte man zumindest im Kollegenkreis – die echten Zahlen werden sicher noch bekannt gegeben). Am Donnerstag und Freitag waren 25 parallele Vortragsreihen angesetzt – eine unheimlich große Auswahl, allerdings hatte ich nicht den Eindruck, dass die Auswahl rege genutzt wurde. Im Gegenteil wirkten die Workshops eher wie “closed shops”.
Ich selbst hielt einen kurzen Vortrag im Workshop 07, der von Frau Gisela Westhoff vom Bundesinstitut für Berufsbildung zum Thema “Flexibilitätsspielräume für die Aus- und Weiterbildung: Praxis, Forschung, Entwicklung und Erprobung in Wirtschaftsmodellversuchen” moderiert wurde. Das Thema meines Vortrags bezog sich auf unsere Modellversuche, die wir im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung durchführen und die auf die Unterstützung des Managements von (Berufs-)Bildungsstätten abzielen.
In der Vorbereitung auf diesen Workshop habe ich in verschiedenen Fachzeitschriften noch einmal quer gelesen und bin auf einige interessante Zahlen aufmerksam geworden, die deutlich zeigen, wie schwer die aktuelle Marktsituation für Berufsbildungsstätten ist. In der Ausgabe 02/2005 des eLearning-Journals heißt es in Bezug auf die Förderung durch die BA (gut, die Ausgabe ist vom letzten Jahr, aber dennoch): “Die Zahl der Weiterbildungsteilnehmer ist innerhalb der vergangenen zweieinhalb Jahre um rund ein Drittel geschrumpft. Während Anfang 2003 noch über 300.000 Arbeitssuchende an Kursen und Seminaren teilnahmen, waren es im Juli 2005 erstmals unter 100.000. Innerhalb eines Jahres halbierte die Bundesagentur für Arbeit die entsprechenden Fördermittel von 792 Millionenen Euro im ersten Halbjahr 2004 auf 390 Millionen im ersten Halbjahr 2005. Betroffen sind nicht nur die Arbeitslosen, sondern auch die Weiterbildunsgträger selbst. Die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA), einer der größten Bildungsträger in der Bundesrepublik, musste nahezu die Hälfte ihrer rund 2.000 Stellen abbauen. Zahlreiche Filialen wurden geschlossen oder mit anderen zusammengelegt. Nach Schätzungen des Bundesverbands der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband, BBB) wurden in der gesamten Branche bis heute rund 30.000 Stellen abgebaut. Bis Ende des Jahres könne diese Zahl auf rund 45.000 anwachsen.”
Diese Zahlen sprechen für sich und verdeutlichen, wie schwer die Situation für Bildungsträger geworden ist. Auch wenn die BA durch die AZWV-Zertifizierung bemüht ist, Qualität zu sichern und das Preisdumping durch Billiganbieter zu verhindern, wenden sich viele Einrichtungen von der BA ab und suchen nach neuen Möglichkeiten und Geschäftsfeldern. So schwierig (und traurig – man denke an die vielen abgebauten Stellen) dieser Prozess auch ist, so spannend ist er aus Sicht der Organisationsentwicklung. Die Erkenntnisse aus unserem Modellversuch zeigen, dass insbesondere das Thema Vertrieb und Marketing in den nächsten Jahren kommen wird. Hier scheinen Bildungsstätten einen großen Nachholbedarf zu haben.