Seit Wochen verfolge ich nun schon die einschlägige Blog-Diskussion zur 3D-Welt “Second Life” und stelle fest – wohl auch aufgrund der geschärften Aufmerksamkeit – dass “Second Life” zunehmend an Aufmerksamkeit gewinnt. Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, habe ich mich vor zwei Wochen angemeldet, habe einen Avatar erschaffen und bewege mich seitdem tastend, fliegend und beobachtend durch den virtuellen Raum. Die Weite dieser 3D-Welt ist schon beeindruckend, ebenso wie die Möglichkeiten, die sich erahnen lassen. Besonders spannend sind sicher die ersten Besuche in “Second Life”, wenn es darum geht, seinem Avatar ein Aussehen zu geben und die Steuerung zu erlernen. Danach wird es allerdings immer unspektakulärer, zumindest – und so ist es bei mir der Fall – wenn man in “Second Life” nicht darauf aus ist, Geld (bzw. Linden-Dollar) zu verdienen. Zwar bleibt es spannend, mit anderen Avataren zu sprechen, allerdings erweist sich “Second Life” angesichts der Kommunikation per Tastatur lediglich als grafisch aufgewerteter Chat-Raum. Ohne “Ziele” entsteht ein Gefühl des “Lost in Hyperspace”.
Nun stellt sich die Frage, was “Second Life” überhaupt ist bzw. sein soll bzw. ermöglichen soll. Zunächst scheint es, als würde dort der Versuch unternommen, einerseits die reale Welt, aber auch Phantasiewelten in 3D abzubilden. Zum Abbild der realen Welt gehören beispielsweise Online-Shops von Nike oder Reebock, zur Phantasiewelt gehören etwa Rollenspiel-Szenarien mit ungewöhnlichen Gebäuden und Avataren (z.B. Roboter, Tiere, Fabelwesen, etc.). Es scheint dort genug Raum für unterschiedliche Anliegen vorhanden zu sein. So zum Beispiel auch für die Bildung.
Für mich hat “Second Life” den faszinierenden Charakter, dass diese 3D-Welt – als Lernumgebung begriffen – drei besonders motivierende Züge besitzt:
1. Die Lernumgebung wirkt wie ein Spiel – gamebased learning könnte hier eine echte Chance haben!
2. Die 3D-Welt besitzt große Potenziale für besonders anschauliche Simulationen – denkbar ist es sogar, dass Auszubildende den Alltag ihres Ausbildungsberufs besser kennen lernen – vielleicht sogar, in dem sie als Avatar in die Rolle eines Beschäftigten schlüpfen.
3. Die Kommunikation wird greifbarer und durch das Vorhandensein der Avatare realistischer – vorbei ist die Zeit der Stimme aus dem Off oder des bloßen Schreibmaschinentextes auf dem Bildschirm. Sicher: in der jetzigen Form ist die Kommunikation von “Second Life” auch nicht besser als im Chatroom, mal abgesehen von den als Avator optimierten Emoticons, aber die Entwicklung scheint voranzuschreiten. Einige Gruppen experimentieren offenbar bereits mit der Integration von Voice-Chats (siehe zum Beispiel folgenden Bericht von Sebastian Küpers).
Die dargestellten Gedanken zielen zunächst noch ins Unreine, aber ich denke, es macht Sinn, hier am Ball zu bleiben. Erste Bildungsorganisationen (u.a. die Harvard-Uni) haben bereits eigene Akademien eröffnet und halten Vorlesungen oder Sprechstunden in “Second Life” ab. Der Trend zum Experiment mit 3D scheint zuzunehmen. Vielleicht wird er nun noch zusätzlich dadurch unterstützt, dass die Client Software von “Second Life” ab 2007 als Open Source freigegeben wurde (siehe Tim Schlotfeldt).
Von Web 2.0 zu Web 3D ? Wir werden es erleben …
Nachtrag:
Für alle, die sich Second Life einmal anschauen wollen, veranstaltet corecon ein kostenloses Einführungsseminar online.
Januar 21, 2007 um 1:04 |
Second Life: 4 Stunden als besitzloser Punk im Cyberspace
Nun habe ich endlich geschafft, was andere vor mir schon lange getan haben: Ich habe Second Life (SL) ausprobiert. Warum? Nun, wenn der Reuters Nachrichtendienst die Bildzeitung (siehe auch hier) vom Springerverlag, die Harvard Universität und IBM (U…
Februar 17, 2007 um 12:43 |
[...] klar zu beantworten: die Zukunft des Internets ist dreidimensional. Zu gleichem Schluß (”Von Web 2.0 zu Web 3D? Wir werden es erleben …”) kommt auch Mark Sebastian Pütz im CSCL [...]
April 25, 2008 um 8:10 |
Ich glaube Second Life und Facebook geben tolle Moeglichkeiten fuer Networking. Dabei ergaenzen Sie sich gegenseitig:
http://wonderland4cscw.blogspot.com/2008/04/virtual-worlds-orand-facebook.html